Lage, Klima und Boden

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Vom Wein geformt: Das einzige Weinbaugebiet im Mostviertel

Ob nun vor Jahrhunderten oder in neuerer Zeit: Der Weinbau hat im Traisental die Landschaft geprägt. Kleine Terrassenweingärten wechseln mit weiten Ebenen, in denen Obst und Gemüse gedeihen. Zwischen den sanften Weinhügeln liegen malerische Dörfer, deren Kirchturmspitzen aus dem Rebenmeer herausragen

Das Traisental ist ein breites Flusstal mit geschichtsträchtigen Orten wie Traismauer und Herzogenburg und liegt am südlichen Ufer der Donau. Vis-à-vis befinden sich die Stadt Krems, die nördlich der Donau gelegenen Teile des Kremstales und das Weinbaugebiet Wagram. Die Flussebene ist dem Acker- und Obstbau vorbehalten, speziell den Apfelkulturen, während Weinbau auf den Hängen, die nach Westen zum Dunkelsteinerwald und nach Osten zum Venusberg sanft ansteigen beheimatet ist. Am linken Ufer der Traisen, bei Nußdorf in Donaunähe, finden sich Weingärten auf breit angelegten Böschungsterrassen, die nach Süden hin bei Reichersdorf, Getzersdorf und Inzersdorf deutlich schmäler werden.

In den vergangenen 25 Jahren legte die Rebfläche kontinuierlich zu: 7,71 % der Rebflächen sind mit Rebstöcken jünger als 3 Jahre bestockt - eine Ausnahme im Vergleich zu allen anderen österreichischen Weinbaugebieten.

Über das Klima: Dominanz kühler Winde

Durch die einmalige Lage zwischen Donau und Voralpen steht das Traisental im Spannungsfeld unterschiedlicher klimatischer Einflüsse. Kaltluft drängt aus den Bergen vom Südwesten in die Weingärten, zudem sorgt Nordwind für kühle Nächte. Neben diesen Faktoren profitiert der Weinbau hier vor allem von den warmen Luftmassen aus der pannonischen Tiefebene. Sie strömen aus dem Osten entlang des Wagrams in das Traisental und erhöhen die durchschnittlichen Tagestemperaturen. So ergeben sich jene großen Tag-Nacht-Temperaturunterschiede, die für die Ausbildung der Aromen in den Trauben eine wichtige Rolle spielen.

In teils sehr, sehr kleinen Terrassenanlagen wachsen die Rebstöcke inmitten der grünen Hügellandschaft auf einer Seehöhe zwischen 150 und 450 Metern. Je näher die Weingärten an der Donau liegen, die das Weinbaugebiet im Norden begrenzt, desto wärmer ist das Mesoklima. Im „warmen“ Norden wird daher auch bis zu einer Woche früher gelesen als im „kalten“ Süden, wo die Trauben oft noch bis Mitte November reifen dürfen.

Inhomogene Mikroklimata innerhalb der drei Großlagen Wölblinger Urgestein, Parapluiberg und Venusberg eröffnen Spielraum für eigenständige Ausprägungen von Orts- und Riedenweinen.

Bei den Windrichtungen gibt es im Traisental eine klare Verteilung: Es dominiert der kühle Wind aus Südwesten, der etwa 60 % der gemessenen Windstunden ausmacht.

Über den Boden: Wer Traisental sagt, muss auch Kalk sagen

Der Fluss Traisen ist Namensgeber, weil er die spezielle geologische Grundlage lieferte, die den sehr eigenständigen Stil der Traisentaler Weine prägt. In zwei Quellflüssen entspringt die Traisen etwa 60 Kilometer südlich von Herzogenburg in den Kalkalpen auf einer Seehöhe von ca. 1.400 Metern. Sie fließt nach Norden, mündet kurz nach der Stadt Traismauer auf einer Seehöhe von 180 Metern in die Donau und transportiert reichlich Gesteinsmaterial aus den Bergen heran. Der Sand und die Gerölle der Schotter sind vorwiegend aus Kalk. Über Jahrmillionen haben sie sich zu einem kalkig verkitteten Konglomerat verfestigt, das sich am westlichen Traisentalhang als Rückgrat von Süden nach Norden durch das Weinbaugebiet zieht. Daneben wurden unterschiedlichste Schichten abgelagert: Ton, Schluff, Mergel, Sand, Sandstein und oft auch Löss, mehr oder weniger dick.

Alle diese Komponenten tragen zum intensiv mineralischen Ausdruck der Traisentaler Weine bei – zu erschmecken in präzisen, fokussierten, feinziselierten Aromen. Der Kalkeinfluss führt zu einer geschmeidigen, doch straff stützenden Struktur der Weine, die sich zwar vielleicht etwas langsamer entwickeln, doch dafür äußerst langlebig sind.